Hanno Hensing

30 Jahre IT-Excellenz

Mensch, Organisation und IT optimal aufeinander abgestimmt.

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Abstand als Führungsinstrument – wie Distanz Wirksamkeit schafft

Viele Führungskräfte verbringen den Großteil ihrer Woche in der Operative: Entscheidungen treffen, Probleme lösen, Aufgaben verteilen. Es fühlt sich nach Kontrolle an – ist aber oft das Gegenteil: Reaktion. Wenn Führung nur noch aus unmittelbarer Aktivität besteht, geht der Blick für das System verloren. Entscheidungen entstehen dann aus Zeitdruck, nicht aus Einsicht.

Abstand ist kein Rückzug, sondern die Voraussetzung für Überblick. Er ermöglicht, Muster zu erkennen und Zusammenhänge zu verstehen. Wer immer nur im Geschehen steckt, sieht nur Ausschnitte – aber nicht, wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Gerade in komplexen Organisationen ist diese Vogelperspektive entscheidend, um wirksam zu führen.

Abstand heißt nicht Desinteresse.

Viele verwechseln Distanz mit fehlender Nähe. Aber Abstand bedeutet nicht, sich zu entziehen, sondern das System als Ganzes im Blick zu behalten. Es ist die Fähigkeit, zwischen Nähe und Distanz zu wechseln – nah genug, um zu verstehen, und weit genug, um Muster zu erkennen. Diese Wechselbewegung ist Kern moderner Führung.

Abstand schafft Raum für Reflexion. Und Reflexion ist kein Luxus, sondern Führungspflicht. Nur wer regelmäßig innehält, kann verstehen, welche Dynamiken im Team, in Projekten oder in der Organisation wirken. Erst durch diese Beobachtung entsteht die Möglichkeit, bewusst zu steuern – statt nur zu reagieren.

Der Wert von strukturierten Reflexionsräumen.

In Führungsteams, die ich begleite, zeigt sich immer wieder: Sobald ein fester Rahmen geschaffen wird, um nicht über Aufgaben, sondern über das System zu sprechen, verändert sich etwas Grundlegendes. Regelmäßige Reflexionsrunden – auch kurz und pragmatisch – machen sichtbar, was sonst untergeht: wiederkehrende Spannungen, unausgesprochene Annahmen, implizite Muster. Diese Erkenntnisse führen nicht nur zu besseren Entscheidungen, sondern auch zu einem gemeinsamen Verständnis von Führung.

Abstand ist damit kein „Soft Skill“, sondern ein Führungsinstrument. Er ermöglicht, die Organisation aus einer höheren Ebene zu betrachten – und damit Entscheidungen zu treffen, die langfristig tragen. Wer sich regelmäßig Zeit für Distanz nimmt, führt nicht weniger, sondern besser.

Führung als kollektive Reflexion.

Abstand wirkt besonders stark, wenn er nicht nur individuell, sondern gemeinsam gestaltet wird. Wenn Führungsteams regelmäßig aus der Operativen heraustreten, um über Strukturen, Rollen und Zusammenarbeit zu sprechen, entsteht kollektives Lernen. Solche Gespräche erzeugen Klarheit und stärken die gemeinsame Verantwortung – nicht jeder für sich, sondern als Führungssystem.

Gerade in Phasen hoher Geschwindigkeit oder Unsicherheit ist das entscheidend. Denn wer ständig nur handelt, verliert die Fähigkeit, Wirkung zu beobachten. Wer dagegen bewusst innehält, kann erkennen, welche Muster er selbst erzeugt – und sie gezielt verändern.

Fazit.

Führung braucht Abstand – nicht, um sich zu entziehen, sondern um klar zu sehen. Distanz schafft Überblick, Orientierung und die Möglichkeit, Führung bewusst auszuüben. Sie ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck von Verantwortung. Denn nur wer auf das System schaut, in dem er führt, kann es auch gestalten.

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